Immer öfter werden in Deutschland Fahrzeuge wegen Sicherheitsmängeln aus dem Verkehr gezogen. Unter Berufung auf einen internen Bericht des Bundesverkehrsministeriums vermeldet die Tageszeitung "Die Welt" (Montagsausgabe) einen Anstieg der Rückrufaktionen auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Im vergangenen Jahr habe es 144 Rückrufaktionen gegeben – ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2002. Von den Rückrufaktionen seien 2003 insgesamt 939.884 Fahrzeuge und Halter betroffen gewesen. Dramatisch zeige sich der Anstieg derartiger Aktionen in den letzten Jahren. Im Jahr 1993 lag die Zahl demnach bei 35, 1998 waren es 82 und 2002 wurden 127 Rückrufe verzeichnet. Herstellernamen nannte der Bericht des Bundesverkehrsministeriums laut "Die Welt" nicht.
Die meisten Ursachen für die Rückrufaktionen lagen im vergangenen Jahr in reißenden oder brechenden Fahrwerkskomponenten, Fehlauslösungen von Airbags, fehlerhaften Sicherheitsgurten, plötzlich brechenden Rädern, nicht korrekt verriegelten Anhängerkupplungen sowie elektronischen Motorsteuergeräten, hieß es.
Sicherheit der Autos trotzdem gewährleistet
Automarkt-Experten sehen laut einer Meldung der "Aachener Zeitung" (Montagsausgabe) in der gestiegenen Anzahl der Rückrufaktionen jedoch keinen Hinweis auf einen Verlust an Sicherheit der Autos. "Es ist eher umgekehrt" sagte der Automarkt-Experte Professor Ferdinand Dudenhöfer am Montag in Bochum. Die Hersteller riefen bei Mängel früher zurück als noch für wenigen Jahren.
Mitverantwortlich für die auch weltweit angewachsene Zahl an Rückrufen seien unter anderem gestiegene gesetzliche Anforderungen bei der Produkthaftung, so Dudenhöfer. Ebenso wachse das Risiko mit der Anzahl der Modelle und Varianten. Außerdem gebe es immer häufiger Rückrufe wegen Defekten bei elektrischen und elektronischen Komponenten. "Mit jedem modernen Fahrsystem wie etwa ESP wird die Komplexität größer und damit fehleranfälliger", so der Experte. Ein weiterer Grund sei der zunehmende Marktdruck, mit neuen Modellen aufwarten zu müssen. Bei kurzen Entwicklungszeiten können sich Fehler leichter einschleichen, hieß es weiter. (pp)